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EINLEITUNG


Bahn frei – Baffi kommt!

Baffi, das ist ein Bobtail. Und ein Bobtail ist ein Hund, genauer gesagt ein Hütehund. Ein Bobtail, das ist nicht irgendein Hütehund, sondern ein altenglischer Hütehund, ein „Old English Sheepdog“, mindestens seit dem 15. Jahrhundert ein echter Brite.
  Wie alle Hütehunde sind Bobtails selbstbewusst, selbständig, dadurch gelegentlich ein klein wenig eigensinnig, eben ausgeprägte Hundepersönlichkeiten. Bobtails sind auch anpassungsfähig und lernwillig. Sie lernen mit Begeisterung alles, was ihre menschlichen Lehrmeister ihnen beibringen möchten.
Die einzige Bedingung beim Vermitteln des Lernstoffes ist ein bisschen Konsequenz und Ernsthaftigkeit. Wie soll ein Hund sonst wissen, ob es seinem Menschen mit einer Anweisung wirklich ernst ist, oder ob er nur ein feines Späßchen mit ihm macht. Ich muss zugeben, diese Bedingung ist nicht so leicht zu erfüllen wie es scheint. Bobtails verfügen nämlich über einen unwidersteh-
lichen Charme, der jede Konsequenz rasch zu untergraben vermag. Der letzte Ernst bleibt auf der Strecke, wenn die süßen Hündchen mit einer umwerfenden Komik ihre Lehrer um den Finger, vielmehr um die Pfote wickeln.
Da hilft nur eines: Übe dich in Selbstbeherrschung und Disziplin, lieber Mensch, dann wird dein Hund ein Gleiches tun.
  Bobtails lieben es, ihren Menschen zu gefallen! Sie helfen ihnen, wo sie nur können und erfüllen ihnen (fast) jeden Wunsch, mit wenigen Ausnahmen. Ein absoluter, unbedingter Gehorsam ist schwierig zu erreichen. Das liegt daran, dass der gesunde Hütehundinstinkt dann und wann mit den schwer verständlichen, menschlichen Eigenheiten und ihren daraus resultierenden Wünschen in Konflikt gerät. Schon das große Verantwortungsgefühl eines guten Hütehundes verbietet einen blinden und unüberlegten Gehorsam. Mit dem Bemühen um gegenseitiges Verständnis wird jedoch eine glückliche Menschen-Hund-Gemeinschaft entstehen,mit unbegrenzter Garantie.
  Heutzutage sind die wenigsten Bobtails noch fest angestellt bei einem Schäfer, um riesige Schafherden zu hüten und zu beschützen. Dank der Anpassungsfähigkeit des Bobtails ergeben sich hieraus dennoch kaum Probleme.
Eine kleine Herde lässt sich ebenso gut hüten wie eine große, und Schafe sind nicht die einzigen Wesen, die gehütet werden können.
 

Es gibt zum Beispiel Menschen-Schafe, Stöckchen-Schafe, Ball-Schafe, Schuh-Schafe, um nur einige zu erwähnen. Mit größter Begeisterung wird der
Bobtail natürlich seine Menschenherde hüten.
  Eine der Aufgaben eines jeden menschlichen Herdenmitglieds besteht darin, außerdem die Rolle eines ordentlichen, brauchbaren Rudelmitglieds auszufüllen, möglichst sogar die eines perfekten Rudelführers. Hier zeigt sich die ebenfalls große Anpassungsfähigkeit der Menschen.
Die meisten schaffen es, diese Aufgabengebiete geschickt miteinander zu vereinbaren.
  Der Bobtail ist ein relativ anspruchsloser Hund. Platz ist in der kleinsten Hütte für ihn, solange seine komplette Herde mit hineinpasst. Ich habe im Laufe der Jahre mit meinem Hund in einer winzigen Wohnung, in einer größeren Wohnung, in einer kleinen Wohnung und in einer sehr großen Wohnung innerhalb des dazugehörigen riesigen Hauses mit Garten gelebt. Baffis Platzanspruch blieb in allen Behausungen gleich: Eine gemütliche Ecke im Wohnzimmer zum Schlafen, eine Liegestätte vor meinem Bett, gelegentlich ein Stückchen Sofa neben mir (zum Kraulen), ein Futterplatz in der Küche, ein Flur zum Abtrocknen des Pelzes bei schlechtem Wetter. Auf den Flur hätte Baffi ohne weiteres auch verzichten können!
  Ja, ein Hütehund ist kein Jagdhund, der seine Beute gewiss gerne über 200 Quadratmeter Wohnfläche jagt. Und ein Bobtail ist nicht dumm. Er weiß sehr wohl, dass keines seiner Herdenmitglieder unbemerkt aus einem, von vier stabilen Wänden umschlossenen, Raum zu entkommen vermag. Ein guter Hütehund nutzt also die Gelegenheit, sich unbesorgt auszuruhen, Kräfte zu sammeln für seinen vollen Einsatz draußen in Feld, Wald und Flur.
  Zugegeben, in Baffis Jugendzeit hätten die Räume im Haus schon etwas ausladender sein dürfen. Bei den wilden Spielen eines heranwachsenden Bobtails schwebte die eine oder andere Hauswand manches Mal in der ernsthaften Gefahr von unserer Baffi durchbrochen zu werden.
Andererseits ist eine Tatsache nicht außer Acht zu lassen: Wenn Baffi es geschafft hatte, eine kleine Wohnung innerhalb ihres ersten Lebensjahres zu „zerlegen“, wäre sie möglicherweise auch mit einer großen fertig geworden. So gesehen sorgte eine kleine Wohnung für eine gewisse Schadens-
begrenzung.
  Doch genug von Wohnungsproblemen. Wichtig ist für einen Bobtail ausschließlich, seine Herde gesund und munter um sich versammelt zu haben. Dann, und nur dann, ist die Welt für einen Hütehund völlig in Ordnung!
  Wenden wir uns nun dem Pelz des Bobtails zu, der eine echte Herausforderung für Liebhaber eines gepflegten, kuscheligen Bobtailfells ist. Die für die Fellpflege zuständige Person sollte über ein Mindestmaß an Oberschenkel -, Arm -, Hand - (auch linke Hand -), Gesäß -, Rücken - und Bauchmuskulatur verfügen.
 

Diese Muskelpartien werden sich bereits in kurzer Zeit schön kräftigen und straffen.
Hütehunde haben von jeher ein dickes, dichtes, zottiges Fell zum Schutz vor Wind und Wetter und nicht zuletzt zum Schutz vor Angriffen gefährlicher Raubtiere. Dafür war eine Verfilzung der Hundehaare ursprünglich sogar erwünscht.
Heute dient der prächtige Pelz überwiegend als Schmuck und natürlich der Kuschel- und Schmuseleidenschaft des Menschen. Das Fell sollte sich deshalb besonders dekorativ anschauen und angenehm anfühlen lassen. Diese Eigenschaften sind dadurch zu erreichen, dass mindestens ein Mensch die Technik des Bürstens und Kämmens erlernt, was sich erheblich einfacher anhört als es ist.
  Das wird jetzt so richtig nur jemand verstehen können, der schon einmal einen Bobtail gepflegt hat, im Schweiße seines Angesichts und unter Schmerzen in seinen Muskeln. Etwa ein Jahr lang finden sich immer wieder Stellen an dem Hund, die völlig neu sind, die einem absolut entgangen sind und sich plötzlich durch einen Filzknoten bemerkbar machen.
Doch ein Trost für alle zukünftigen Bobtail-Kämmer(innen), die Entdeckung der allerletzten versteckten Filzstelle an Ihrem Hund bringt Ihnen den Triumph des Sieges über das Bobtailfell!
Nun kennen Sie jede Ecke, jeden versteckten Winkel, jedes Härchen Ihres Hundes. Die anfangs bis zu vier Stunden Pflegeaufwand, je nach Grad der „versehentlichen“ Verfilzung des Haarkleides, reduzieren sich auf ungefähr eine Stunde pro Woche.
  Bei dieser Zeitangabe habe ich natürlich nicht den Pflegeaufwand, den Sie in Ihre Wohnung investieren müssen, mitberechnet. Ein Bobtail ist über und über von Fell bedeckt! Der Pelz Ihres Hundes besitzt eine magische Anziehungskraft für feuchten Dreck, alles, was im Wald zu finden ist, Stöckchen, Zapfen, Tannenzweige, Kletten, Dornen, Matsche, Sand und dergleichen mehr, den Schnee im Winter nicht zu vergessen. Dieses Fell hat weiter die Eigenschaft, seine Mitbringsel nach und nach in der Wohnung wieder von sich zu werfen. Schließlich hat es ein Interesse daran, stets sauber und gepflegt auszusehen, was ihm unbedingt gelingt. Es wird nur selten nötig sein, Ihren Bobtail zu baden, dank seiner erstaunlichen Selbstreinigungskraft.
Über diese Kraft verfügt Ihre Wohnung in der Regel nicht! Als unvermeidbare Folge davon werden Sie leider kräftig und häufig Ihre eigene Reinigungskraft einsetzen müssen. Es sei denn, Sie verfügen über einen Reinigungs- und Trockenraum oder Sie lieben das Leben inmitten diverser Geschenke der Natur.
  Mit einem der größten Geschenke der Natur werden Sie das Zusammenleben selbstverständlich über alles lieben, Ihrem Bobtail!
 

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