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Hilfe, Hilfe! Die Einschläge kommen näher!! – Und wir sind völlig wehrlos, keine Abwehrrakete, keine Pistole, kein Schwert, nicht mal ein Taschenmesser, keinen Bunker!
– H I L F E!! – Die Einschläge sind direkt hinter uns!“ –
Spätestens an dieser Stelle des Gedankenstroms gab es kein Halten mehr, keinen einzigen weiteren Schritt weg von der letzten Rettung, unserem Auto! Also: „Kompanie  z u r ü c k,  im Laufschritt – Marsch, Marsch –!!“
Nachdem wir, dank eines recht geordneten Rückzugs, die rettende, geliebte Blechbehausung sicher erreicht hatten und diese sich zuverlässig in Bewegung setzte, war die Welt schon halb wieder in Ordnung.
Das war ja gerade noch mal gutgegangen!!
  Ganz und gar in Unordnung geriet die Welt allerdings, wenn sie im Sommer mehrfach kurz vor dem Untergang stand.
Die kluge Sonne brachte sich rechtzeitig in Sicherheit und verschwand hinter finsteren Wolkengebirgen. Der helle Tag wurde verdunkelt. Der Himmel färbte sich gelblich oder grünlichlila, – ein sicheres Zeichen des herannahenden, verheerenden Unheils. Stürme brausten über die Erde hinweg, die Vorhut einer Katastrophe. Kleine Geschosse in Form von Wasserkugeln oder Eisklumpen bombardierten gnadenlos alles, was sich in ihrer Schusslinie befand.
Und dann war es so weit, – die ungeheure Riesenkanone des Feindes (Gewitter genannt) kam zum Einsatz! Grelle Blitze signalisierten das Abfeuern der Kanone. Der darauf folgende Kanonendonner ließ die Erde erzittern und erbeben und mit ihr die empfindlichen Öhrchen und Nerven eines armen Bobtails!
Wie durch ein Wunder blieb unser Haus mitsamt seinen Bewohnern stets von den Folgen der Detonationen verschont. Wie jeder inzwischen weiß, verfügten wir ja nicht einmal über einen winzigen, stabilen Bunker! Ein notdürftiger Notbunker, wie beispielsweise ein Tisch, konnte keinesfalls für das Aufkommen eines angenehmen Gefühls der Sicherheit ausreichen. Letztendlich stand Baffi kurz vor einem Nervenzusammenbruch, wenn der übermächtige Feind mit seinen Truppen endlich abrückte. Wir durften glücklich sein, wenn er in derselben Nacht oder an demselben Tag nicht noch einmal erneut zum Angriff blasen ließ! –
  Einmal verfügte das Schicksal, dass ich mich außer Haus befand, als ein böses Gewitter Bad Meinberg heimsuchte, – und meinen ärmsten Hund! Ich schickte beruhigende, stärkende Gedanken in die Allensteiner Straße und beschwor alle Hunde-Schutzengel, ihr möglichstes zur Rettung eines (weniger) tapferen Hütehundes zu unternehmen. Mehr konnte ich aus der Ferne leider nicht tun.

Blitz und Donner hatten ein Einsehen und zogen mit ihrem Gefolge bald von dannen.
  Abends stand ich vor meiner Haustür, – das Gewitter war längst vergessen. Ich schloss die Tür auf, betrat den Flur und... Ich blieb stehen, wie verwurzelt im Fußboden. Kein Hund stürmte herbei, um mich freudig zu begrüßen! –  Das Gewitter! – Wie ein Gewitterblitz kehrte die Erinnerung zu mir zurück.
Baffi jedoch blieb verschwunden. Sollte sie beleidigt sein, weil ich sie in höchster Gefahr im Stich gelassen hatte? Um das Rätsel zu lösen, musste ich mich von meinem Platz im Flur fortbewegen. Langsam überschritt ich die Schwelle zum Wohnzimmer. – „Baffi?! – Baffi?! – Wo steckst du denn?“ –
Weit und breit kein Hund zu sehen! Und in Anbetracht der Größe des vermissten Hundes konnte das nur bedeuten: Wenn ich keinen Hund sah, war auch kein Hund da. Doch das wiederum musste eine Täuschung sein! Denn ein Hund, der nicht verschwunden sein konnte(!), musste(!) einfach da sein!
Schritt für Schritt durchquerte ich das Wohnzimmer, suchend umherblickend, keine Ecke und keinen Winkel auslassend, selbst solche nicht, in denen höchstens ein Yorkshire-Terrier Unterschlupf gefunden hätte. Langsam schlich ein unheimliches, unbehagliches Gefühl in mir empor.
Ich erreichte das Schlafzimmer. Im Bett, unter den Decken, hinter dem Bett, unterm Bett, nirgends eine Spur von Baffi! Die unsinnigsten Gedanken flogen mir durch den Kopf: Was war geschehen? – Eine offene Tür? – Mein Vater, der plötzlich unbezähmbare Lust auf einen Ausgang mit dem Hund bekommen hatte? – Einbrecher, Räuber, Mörder? – Außerirdische? – Zauberer? – Böse Geister? –
Ach, ihr lieben Hunde-Schutzengel, so wörtlich hatte ich das mit der Rettung des tapferen Hütehundes doch nicht gemeint!
So stand ich also da und beförderte einen Gedanken nach dem anderen wieder aus meinem Kopf heraus, als ein leises Geräusch mein Ohr erreichte. „Baffi?“, flüsterte ich. Da, – wieder hörte ich ein Geräusch, das diesmal eindeutig zu orten war. Es drang aus dem Kleiderschrank zu mir, dessen Tür ein kleines Stückchen offen stand! Vorsichtig schob ich die Tür etwas weiter auf.
Es handelte sich um einen kleinen Kleiderschrank und um meinen einzigen Kleiderschrank. Aufgrund dieser Hinweise fällt es jedem (zumindest jeder Frau) leicht, sich die Platzverhältnisse in diesem Schrank vorzustellen! Er war bis zum Rand vollgestopft mit Klamotten, die einerseits von der Kleiderstange herunterhingen und die sich andererseits vom Boden des Schrankes hinaufstapelten.
Ich schob die Tür ganz auf.
Nun bot sich mir ein einmaliger Anblick dar: Ein großes Fellknäuel, – eifrig bemüht, sich durch die Kleidergebirge in Richtung Ausgang durchzuwühlen.
Nein, war ich froh! Und war das ulkig!! Ein Lachanfall warf mich rücklings auf mein Bett!
Baffi folgte mit einem Riesensatz, wogegen ich diesmal ausnahmsweise nicht protestierte.
 

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