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Baffi war nicht nachtragend. Der Ärger verrauchte und mein Hund bot seine Hilfe bei Aufräumungsarbeiten an. Gelegentlich konnte ich nämlich ein wenig unordentlich und nachlässig sein. Fünf Paar Schuhe, drei Paar Socken und zwei Strumpfhosen, die nach und nach von mir vergessen wurden, lagen unordentlich, jedoch nicht unentdeckt herum. Direkt nach ihrer Entdeckung wurden sie von Baffi gründlichst „gewaschen“ und gewissenhaft aufgeräumt.
  Unter uns gesagt, die einzigen Räume, die vor der Arbeitswut meines Hundes verschont blieben, waren das Badezimmer und ein kleines Abstellkämmerchen, da sie verschließbar waren. In mein Kämmerchen passte kein Fuß mehr hinein, da es bis zum Rand vollgestopft war mit meinem letzten Hab und Gut, das ich rechtzeitig vor meinem süßen Arbeitstier in Sicherheit bringen konnte.
Jeden Morgen gab es für mich viel zu tun.
Alle Gegenstände, die sich in Baffis Reichweite befanden und die ich während meiner Anwesenheit in der Wohnung gerne um mich haben wollte, mussten den Tag in Bad und Kämmerchen verbringen. Sonst wären sie hoffnungslos verloren gewesen. Alle nicht entfernbaren Dinge, wie die restlichen Möbel, Teppiche, Gardinen, Tapeten, Schränke, Türen, blieben Baffi auf Gedeih und (meistens) Verderb ausgeliefert.
In dem Augenblick, in welchem ich, nach getaner Arbeit, unser trautes Heim betrat, endete auch der Arbeitstag meines Hundes. Während meiner Anwesenheit wurde kein Arbeitsutensil mehr angerührt!
  Meine unbezahlte Heimarbeit, die außer meinem Hündchen auf mich wartete, wenn ich von der bezahlten Berufstätigkeit nach Hause kam, ist eine kurze Erwähnung wert. Neben den Trümmern meiner Eigentümer waren die Überreste von Baffis eigenem Spielzeug zu beseitigen.
Mit „eigenem Spielzeug“ meine ich: erlaubte Schuhe, Kartons, Lappen, Fellstücke, Zeitungen, „Baumstämme“. Außerdem mussten alle versteckten Wohnutensilien wieder hervorgekramt und eingeordnet werden, was insgesamt jeden Tag eine halbe bis eine Stunde Zeit in Anspruch nahm, je nach dem Grad der Zerstörung und dem Reinigungsaufwand.
Schließlich sollte ein gewisses Maß an Wohnlichkeit und Gemütlichkeit erhalten bleiben.
  Selten kam es vor, dass ich Besucher gleich im Anschluss an die Arbeit mit nach Hause brachte. Solche entsetzten Blicke und Ausrufe: „Waren Einbrecher in deiner Wohnung? – Das sieht ja aus wie nach einem Bombeneinschlag!“, können sich empfindlichen Menschen und Hunden tief in die Seele eingraben. Nun, so empfindlich waren  w i r nicht! Außerdem hatten wir die Unsinnigkeit derartiger Bemerkungen sofort durchschaut. Einbrecher in einer von einem britischen Hütehund bewachten Wohnung!! Oder Bombenanschläge!! Solche Annahme war zu absurd und nur damit zu entschuldigen, dass diese Leute es nie zuvor mit Bobtail Baffi zu tun bekommen hatten.
 

Die meisten Menschen machten sich leider keine Vorstellung von dem harten Arbeitstag eines kleinen Hundes, der ganz allein, auf sich gestellt, eine mittelriesige Wohnung in Schuss halten wollte.

Wenn auch so manches danebengegangen war! Meine Baffi hatte sich redliche Mühe
gegeben, alles so gewissenhaft, gründlich und schön zu machen, wie es einem Hundi,
das gerade sein Leben zu leben begann, nur möglich war.
Ich kann mit Recht sagen, dass Baffi für ihr Alter eine große und erstaunliche Leistung vollbracht hatte, auf die sie als Hund sicher stolz sein durfte! –
Selbst wenn das aus menschlicher Sicht etwas anders aussehen sollte.

Ja, die Welt der Menschen bleibt für ein Hundewesen immer ein bisschen rätselhaft und geheimnisvoll.
 

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