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Simsalabim – schon hatten wir die Beute!
Zugegeben, das verletzte natürlich die Spielregeln und die Ehre unseres Hundes. Aber wenn der Rudelchef absolut mit faulen Tricks arbeiten will, bitte sehr!! Was dabei herauskam, war in der Regel folgendes: Herr Chef oder Frau Chefin konnte die wehrhafte Beute gar nicht halten, geschweige denn vernünftig tot schütteln, worauf ihr die Flucht gelang. Wer nahm dann blitzartig die Verfolgung auf, um ein endgültiges Entkommen der kostbaren Beute zu verhindern?
Ja, natürlich musste Hütehund Baffi ran, um die Schusseligkeit und Unaufmerksamkeit der Menschen wettzumachen.
Doch unter Bobtails gesagt: Das Leben wäre nur halb so amüsant und unterhaltsam, wenn die Menschen-Rudelführer so perfekt wären wie echte Hunde-Rudelführer.
  Im Wald und auf der Heide, da find’ ich meine Freude, – auch wenn ich kein Jägersmann, sondern ein Bobtail bin.
Eines von Baffis Lieblingswörtern lautete: „Spazierengehen“. Das weckte sie aus tiefstem Schlaf und ließ sie jede noch so spannende Beschäftigung augenblicklich vergessen. Das zweite Lieblingswort, „Autofahren“, wirkte ähnlich. Eine Autofahrt bildete den Auftakt zu etwas Tollem, wie einem Spaziergang, oder einem Besuch bei befreundeten Menschen und Hunden. Endete die Fahrt auf einem schönen Waldparkplatz, hüpfte ein glücklicher, vor Unternehmungslust fast platzender Bobtail aus dem Wagen.
Baffi, ein verantwortungsvoller Hütehund, war kein Jagdhund. Deshalb konnten wir sie ohne Probleme überall frei laufen lassen. Kein lebendiges Beutetier erweckte je ihr Interesse. Ein Hütehund war vollkommen ausgelastet mit seiner Aufgabe, draußen in freier Wildbahn seine Herde beieinander zu halten.
Nicht genug damit, dass die Menschen-Schafe sich zuweilen recht ungehorsam zeigten! Die Stöckchen-Schafe gebärdeten sich geradezu unberechenbar, ganz zu schweigen von den Tannenzapfen-, Rinden-, oder Moos-Schafen.
  War Baffi mit ihrer Menschen-Schafherde unterwegs, wandte sie gerne eine bewährte Hütetechnik an. Sie umkreiste ihre Herde fleißig und unermüdlich. Ab und zu blieb sie unvermittelt quer vor den Füßen der Schafe stehen. Ein kleiner Trick zur Förderung der Aufmerksamkeit!
Passten sie nicht auf, gab es einen Aufprall und ein Gestolpere über Hund, Steine und Wurzeln – und natürlich einen ordentlichen, heilsamen Schrecken.
Befand sich nur ein Hütehund vor Ort, musste dieser außerdem die Aufgaben übernehmen, nach eventuellen Feinden Ausschau zu halten, die Umgebung zu erkunden, zu erschnuppern und gewisse Gebiete zu markieren.

Diese Gelegenheit wurde gerne von einem Menschen-Schaf ausgenutzt, um sich unerlaubt von der Gruppe zu entfernen und sich hinter einem Busch oder
einer Hecke zu verstecken. Der Verlust wurde schnell bemerkt und löste Alarmstufe „rot“ aus.
Unser Hund raste mit Höchstgeschwindigkeit den Weg zurück, jeden Baum, jeden Strauch umkreisend, bis das verlorene Schaf gefunden war und zur Herde zurückgetrieben werden konnte.
Zwei Augen reichten für einen einzelnen Hütehund einfach nicht aus! Zwar existierte auch noch eine Nase, die aber von Baffi zur Unterstützung ihrer Suchaktionen nicht eingesetzt wurde, obwohl sie durchaus schön, groß genug und tauglich gewesen wäre. Warum diese Ignoranz eines so passablen Hilfsmittels? Wir haben es nicht herausgefunden. Vielleicht, weil ein Hütehund nun einmal kein Jagdhund ist!
  Die Stöckchen-Schafe bereiteten, wie gesagt, besonders viele Schwierigkeiten durch ihre außergewöhnliche Frechheit und Dreistheit. Vor den Augen ihrer Chefin machten sie sich auf und davon und das in einem Tempo, das den vollen Einsatz aller vier Antriebspfoten erforderte, um sie einzufangen. Dabei verließ diese feigen Schafe nach einigen Augenblicken bereits der Mut und sie stoppten mit einer Vollbremsung. Dann hieß es: Volle Kraft zurück! Alle vier Pfoten nach vorne ins Erdreich stemmen! Blätter, Erde, Käfer, Mäuse wirbelten auf, verschmolzen mit dem Hund zu einer kleinen Lawine, die den Ausreißer gewöhnlich zunächst überrollte, ihn dann aber unerbittlich und gnadenlos packte. Zur Strafe wurde er gründlich durchgeschüttelt, durchgekaut und endlich zur Herde zurückgetragen. (In Menschenkreisen wurde dieser Vorgang als „Stöckchen schmeißen und apportieren“ bezeichnet.)
  In ihrer Jugendzeit hatte Baffi ihr Fortbewegungsmittel noch nicht vollständig im Griff. Wie bei einem schnellen Auto musste erst langsam ein Gefühl für die Beschleunigung und den Bremsweg entwickelt werden. Ein kurzer Tritt auf das Gaspedal und – schwupp – klebte man schon auf dem Vordermann. Baffi, z.B., kollidierte schon einmal mit einem Baum, den sie noch gar nicht so rasch erwartet hatte, oder landete in einem Graben, der sich plötzlich vor ihr auftat.
Durch solche kleinen Pannen durfte sich ein Hütehund im Dienst nicht von der Arbeit ablenken lassen!
  Also die Sache mit den „Schafen“, – ehrlich, quasi unter vorgehaltener Pfote gesagt: Es brachte auch ganz schön viel Spaß, wenn sie nicht gar so großen Gehorsam zeigten! Baffi fand heraus, dass die Stöckchen-Schafe, feige wie sie waren, sogar vor den Menschen-Schafen Angst hatten.
Jedes Mal nämlich, wenn ein Mensch sie anfasste, rannten sie davon, als sollten sie geschlachtet werden. (in Menschensprache: „Stöckchen-Schmeiß-Spiel“) Das war schon lustig! Das war sogar so lustig, dass Baffi diese Situationen regelrecht provozierte.
 

Am besten funktionierte das folgendermaßen: Zuerst griff sich Baffi ein Stock-Schaf und schmiss es den Menschen direkt vor die Füße. Blieb der gewünschte Erfolg aus, folgte die Anwendung eines Tricks, nämlich „Pfotegeben“ und „Schwänzchenwackeln“, zusammen mit dem uralten „Hütehund-Hypnoseblick“. Diesen durchdringenden Hypnoseblick beherrschte Baffi, als geborener Hütehund, meisterhaft. Die Kombination aus gleichzeitigem Hypnoseblick, Schwänzchenwackeln und Pfotegeben, beziehungsweise Pfote durch die Luft schlagen, wirkte auf Menschen so unwiderstehlich, dass sie sich dem Stöckchen-Schaf nähern  m u s s t e n,  das daraufhin, wie erwartet, die wilde Flucht ergriff.
  Manchmal versuchte Baffi, nicht nur ein kleines Stöckchen-Schaf, sondern gleich einen Riesenbalken-Elefanten der Herde anzuschließen. Mit Anstarren, Schwanzwackeln und Pfoteschlagen sollte der dicke Baumstamm zum Mitkommen oder wenigstens zum Davonrennen überredet werden. Erst nachdem das sture Vieh weder durch Gewaltanwendung noch durch die Mithilfe aller anwesenden Rudelmitglieder zu einer Bewegung veranlasst werden konnte, gab Baffi ihr Vorhaben auf. Dann musste er halt einsam, verlassen und ungeschützt sein Leben im Wald fristen, der dumme Baum!
  Baffis jugendlicher Übereifer verzögerte gelegentlich das sofortige Einfangen eines entflohenen Stock-Schafes. Das „Schaf“ verharrte reglos am Boden und stellte sich tot. Es blieb zunächst unentdeckt, und wurde mehrmals einfach überrannt. Baffi eilte suchend hin und her, fand das Schäfchen jedoch erst, nachdem sie endlich mit ihrer Pfote direkt draufgetreten war. Durch die Nase erfolgte nur noch die Endkontrolle. Handelte es sich doch um eine Sache von größter Wichtigkeit. Das r i c h t i g e  Schaf galt es zu erwischen, nicht irgendeines!
  Einmal wagte ein Stock-Schaf einen so gewaltigen Sprung, dass es die Äste eines Baumes streifte.
Das entging Baffis scharfen Blicken nicht! Der Misserfolg bei der Suche dieses Schafes bestätigte den Verdacht, dass es auf den Baum gesprungen sein musste. Starke Leistung! Doch für einen Hütehund einfach nur ärgerlich. Ein kurzer Moment der Ratlosigkeit, – ein Hund ist keine Katze, dann wäre es einfach gewesen, aber so?
Und da war er endlich, der rettende Einfall! Baffi setzte sich unter die besagte Lärche, starrte mit ihrem Hypnoseblick pfoteschlagend in die Krone des Baumes, in der Gewissheit, das Schaf auf diese Weise hinunterzwingen zu können. Das dauerte und dauerte! Wahrscheinlich war des Schafes Mut verlorengegangen und es wagte den Abstieg nicht.
Nun beschlossen wir Menschen, unauffällig einzugreifen! Wir machten Baffi auf das Stöckchen-Schaf aufmerksam, das etwa drei Meter von ihr entfernt lag und offenbar schlief. (Nur wir wussten, es hatte die ganze Zeit dort gelegen.) Wie  d a s völlig unbemerkt von dem Baum heruntergekommen war, blieb für Baffi ein großes Rätsel und unser Menschengeheimnis.
 

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